Der Anfang
Gestern ging unsere große Reise endlich los. Leider bedeutet „uns“ in diesem Fall nur Paula und Manuela. Da Malin durch eine Verletzung erst verspätet ausreisen kann, erwarten wir sie sehnsüchtig Ende Oktober. Glücklicherweise konnten wir die gesamte Vorbereitungszeit zusammen machen. Die Vorbereitung war aufgeteilt in Seminare beim SDFV (Sozialer Dienst für Frieden und Versöhnung) in einem Selbstversorgerhaus in der Nähe von Siegburg und Seminaren und einem Praktikum in Paderborn. Die gemeinsame Vorbereitung hat sehr viel Freude bereitet mit guten Infoblöcken und der Möglichkeit viele andere Freiwillige kennenzulernen. Der krönende Abschluss war die Entsendefeier zum einen mit den Freiwilligen und zum anderen durch den Entsendegottesdienst mit Freund:innen und den Familien. Hier wurden uns von allen Seiten liebe Wünsche und gute Gedanken mit auf den Weg gegeben. Nach einem guten Flug und einer netten Begrüßung durch Bro Richmond sind wir im WEM-Center angekommen und leben uns aktuell ein.
Jetzt haben wir unsere Wände mit ebendiesen Füßen geschmückt und haben die Wünsche unser Liebsten mit dabei.
Die erste Woche
Am Montag hatten wir Zeit uns erst einmal in unserem Projekt umzuschauen. Wir sind in Ayikuma einem kleinen Dorf nordöstlich von Accra. Hier ist das WEM-Center (Welfare, Empowerment, Mobility), das zu unserer Aufnahmeorganisation Rays of Hope gehört. Das WEM besteht aus einem großen Gelände, auf dem es zwei Wohnhäuser für die Beneficiaries gibt, ein Haus mit Küche und Speisesaal und ein eigenes Haus für uns Volos. Gleich daneben steht zudem eine Schule, die in den nächsten Wochen eröffnet wird. Außerdem gibt ein großes Fußballfeld und eine Mangoplantage. Da unser Haus vier Zimmer hat und wir gerade nur zu zweit sind, schlafen in den anderen beiden Zimmern auch immer noch andere Menschen. Eine dieser Menschen ist Sister Porscha, die erst einen Monat vor unserer Anreise in dem Projekt als Sozialarbeiterin angefangen hat. Abgesehen davon, dass wir uns super gut verstehen, unterstützt sie uns beim Einleben (geht mit uns einkaufen oder begleitet uns z.B. in die Stadt). An unserem ersten Abend sind wir zusammen mit Sister Porscha, Bro Emmanuel, einem Mitarbeiter im WEM, und Mr. Richmond auf die Hügel hier direkt in Ayikuma gefahren und haben uns dort im Innenhof einer kleinen Bar über das Leben in Ghana unterhalten.
Dienstag haben wir gemeinsam mit Bro Emmanuel und Sister Porscha eine Tour durch die Region gemacht, um die wichtigsten Orte und Menschen kennenzulernen. Als erstes haben wir uns das Kreiskrankenhaus angeschaut und sind danach in die nächstgrößere Stadt Dodowa gefahren, um uns den Markt anzuschauen. Hier wurde uns unter anderem eine Stoffverkäuferin vorgestellt, die schon die Ex-Volos mit wunderschönen Stoffen ausgestattet hat. Als nächstes führte unsere Fahrt zu dem Priester, Father Julius, der uns gleich mehrfach willkommen hieß. Unsere Tour ging weiter, vorbei an einer Gedenkstätte und endete bei dem Head of Police von Ayikuma. Weil das ganze Anschauen und Kennenlernen doch recht anstrengend war, haben wir uns einen gemütlichen Abend und mit Sister Porscha einen Spieleabend gemacht.
Am Mittwoch sind wir zusammen mit Sister Porscha mit dem Trotro, kleinen Minibussen hier in Ghana, nach Accra gefahren. Die Fahrt hat ungefähr zwei Stunden gedauert, wobei diese Länge nicht nur durch die Distanz zu Accra, sondern vor allem durch den Zustand der Straße und der ein- und aussteigenden Menschen kommt. In Accra haben wir uns zunächst unsere Non-Citicen-ID und Sim-Cards geholt. Anschließend haben wir auf dem großen Markt noch einige Erledigungen für das Haus gemacht. Sister Porscha war dabei eine riesige Hilfe, weil wir ihr einfach hinterlaufen konnten und sie besser verhandeln kann. Die Stadt ist gerade im Vergleich zu Ayikuma riesig, voll und vor allem auch sehr laut. Auf dem Markt muss man sich durch die engen Gässchen an den Ständen entlang schlängeln und sich dabei immer rechtzeitig wegducken, da viele Menschen ihre Einkäufe auf dem Kopf tragen. Es war gar nicht so einfach ein Trotro zurück nach Ayikuma zu finden und als wir dann den Ort gefunden haben, mussten wir erst noch sehr lange warten, bis alle Einkäufe der anderen Passagiere auf dem Dach befestigt waren und wir losfahren konnten. Es war ein wunderschöner Tag, mit vielen Eindrücken, der uns gegen 21:30 Uhr ganz schön k.o ins Bett geführt hat.
Donnerstag: Heute haben wir einen Ausflug in die Shai Hills gemacht, mit dabei waren Sister Porscha und Mister Gideon, unser Twi und Dangme Lehrer. Wir sind eine Stunde mit dem Taxi über staubige Schotterstraßen gefahren und waren dann in den Shai Hills, einem riesigen Naturreservoir. Hier haben früher die Shai-People gelebt, bevor sie durch die britischen Kolonialmächte vertrieben worden sind. Wir haben eine geführte Tour bekommen und sind auf einen Hügel geklettert, auf dem die Shai-Frauen damals für sechs Monate eine bewachte Ausbildung zur guten Ehefrau bekommen haben. Außerdem konnten wir Affen, Zebras und Sträuße sehen und ein kleines Museum zu den Tieren in Afrika besuchen.
Zu Hause haben wir dann Mr. Richmond getroffen und Auntie Maggie kennengelernt, die für uns kocht und eine so warme und freundliche Ausstrahlung hat, dass man sich in ihrer Gegenwart einfach wohlfühlt. Abends haben wir zwei Mädchen aus der Nachbarschaft getroffen, die uns paar Tänze beigebracht haben.
Am Freitag haben wir unseren Mentor getroffen, Mr. Otou. Der Mentor, sowie das Gespräch sind interessant und eröffnen uns neue Perspektiven. Nachmittags haben wir wieder die beiden aus der Nachbarschaft getroffen und zusammen gelacht und getanzt. Wir haben viel Freizeit, lesen viel, reden viel und leben in den Tag hinein.
Samstag war Putztag und nachmittags haben wir wieder die zwei Mädchen getroffen und sind mit ihnen zusammen die Straße entlang spaziert, um Obst und Seife zum Waschen an den Ständen am Straßenrand zu kaufen. Danach haben wir zusammen gespielt und zum Abschluss natürlich noch einmal zusammen getanzt.
Am Sonntag sind wir früh augestanden, um auf den Hügel zu wandern ohne direkt nach zwei Schritten kaputtgeschwitzt zu sein. Der Weg war wunderschön und wir wurden immer wieder streckenweise von einem netten Local begleitet, der seine Joggingrunden gedreht hat. Nach unserem Ausflug sind wir in die Kirche gegangen. Drei Stunden Gottesdienst, wobei in der ersten Stunde vor allem Durchsagen gemacht und der Rosenkranz gebetet wurde. Nach einer Stunde kam dann auch Father Julius und der Gottesdienst ging los. Der Gottesdienst was schon in vielen Teilen anders als in Deutschland, es gab richtig schöne Lieder und tolle Instrumente, die auch von kleinen Kindern gespielt wurden. Zur Kollekte musste man mit Hüftschwung nach vorne tänzeln und das Geld in eine Urne schmeißen, da waren wir noch ein wenig ungelenk. Am Ende wurden wir der Gemeinde vorgestellt. Am Nachmittag haben wir einfach gechillt und die Eindrücke verarbeitet.
Seit Montag haben wir Twi und Dangme Lessons. Aktuell haben wir noch ein bisschen Schwierigkeiten mit der Art des Unterrichtens unseres Lehrers. Wir haben auch schon erste Kinder kennengelernt, die Begegnung machen Spaß und bringen Freude auf mehr, auch wenn es noch sehr viele Namen und Gesichter sind. Wir fühlen uns hier sehr wohl, die Menschen sind sehr nett und offen. Auf der Straße wird man viel angeschaut und unser „Weiß sein“ fällt sehr auf, das ist noch sehr ungewohnt, Auch wie man am schlausten mit Heiratsanträgen oder Freundschaftsanfragen auf der Straße umgeht, üben wir noch.
Bis Bald
Manuela und Paula
Ein Ausflug nach Accra
Mittlerweile sind wir schon einen ganzen Monat hier in Ghana und damit auch in Ayikuma. Das ist ein recht seltsames Gefühl, weil es sich so viel länger und gleichzeitig auch so viel kürzer anfühlt. Hauptsächlich liegt das daran, dass wir unsere Zeit bis jetzt nur in Ayikuma mit ein paar Ausflügen nach Dodowa und Accra verbracht haben. Damit fallen die Tage und Wochen recht ähnlich aus und fühlen sich im Moment lang an. Im Rückblick vermischen sich jedoch die Wochen und wirken kürzer. Ashaiman und damit auch das FCP haben wir bis jetzt noch nicht gesehen, das soll sich jedoch in dieser Woche ändern. Wir freuen uns schon richtig dolle, gerade auch, weil Ashaiman ein krasser Gegensatz zu Ayikuma sein soll.
Durch die alltäglichen Abläufe hier, mussten wir am Wochenende einmal rauskommen und haben einen Trip nach Osu, einem Stadtviertel in Accra gemacht. Das war nicht nur super spannend und aufregend, sondern hat uns auch richtig Spaß gemacht und gut getan! Osu ist eines der wohlhabenden Viertel in Accra, in dem sich Botschaften und Ministerien befinden. Nachdem wir wie immer in Madina umgestiegen sind und in Accra einen kleinen Abstecher zum Supermarkt gemacht haben, ging das Abenteuer erst richtig los. Das Trotro nach Osu hat sich aber recht schnell gefunden und nach einem Aussteigetipp einer Mitreisenden im Trotro haben wir uns recht planlos aber entspannt auf einem Markt wiedergefunden. Im Gegensatz zu den Märkten, die wir bisher besucht haben, war dieser sehr ruhig und unaufgeregt. Nachdem wir ein wenig durch die Straßen geschlendert sind, haben wir uns vor dem Meer wiedergefunden. Das war ein richtiges Highlight, auf das wir uns schon seit der Anreise gefreut haben. Leider konnten wir an der Stelle durch eine große Baustelle nicht direkt zum Wasser laufen. Zufälligerweise befand sich an der gleichen Straße das Osu Castle oder auch Fort Christiansborg genannt, das wir danach besucht haben. Dabei handelt es sich um eine von Dänemark erbaute Burg, die ihren Ursprung im 17. Jahrhundert im Sklavenhandel hat hier wurden tausende von Menschen gefangen gehalten und von hieraus auf die Plantagen in Übersee verschifft. Nach der ghanaischen Unabhängigkeit zum Regierungssitz bis ins Jahr 2013 diente. Unsere Führung durch die Burg war super interessant, aber auch ziemlich bedrückend. Nach einer kleinen Pause im Garten der Burg sind wir weiter in Richtung des Independence Squares und des Kwame Nkrumah Memorial Parks gelaufen. Auf dem Weg haben wir nicht nur einen Kunstmarkt, sondern auch einen Zugang zum Meer gefunden. Super glücklich und typisch tourimäßig haben wir erstmal mit unseren Füßen das Meer begrüßt und eine Fotosession gestartet, nur um festzustellen, dass die Anwohnenden die Meerstelle als Klo verwenden. Wir haben uns aber fest vorgenommen: unser nächster Meerkontakt wird an einem richtigen Strand ohne Kloüberraschung stattfinden! :)
Nachdem wir noch ein bisschen weiter die Stadt erkundet haben und so zum Beispiel den ghanaischen Gerichtskomplex oder das Stadion gesehen haben, haben wir uns recht erschöpft auf den Heimweg gemacht. Das einzig schlechte was uns von diesem Tag bleibt, sind unsere Sonnenbrände, ups. Der Tag hat einen richtig schönen Abschluss mit dem gemeinsamen Spielen und Film gucken mit den Kindern gefunden.
Dieser Ausflug hat uns richtig neugierig auf den Rest von Ghana gemacht und wir freuen uns jetzt schon riesig über die nächsten Trips! Da jetzt unser “Entspannungsmonat” sein Ende gefunden hat, werden wir jetzt langsam immer weiter eingebunden. Wir sind schon ganz gespannt, wie sich unser Alltag verändern wird und was wir euch im nächsten Blogeintrag berichten können.
Bis dahin wünschen wir euch eine ganz tolle Zeit!
Eure Paula und Manuela
Ein bisschen Routine und unser erster Ausflug
So langsam entwickelt sich hier so etwas wie ein fester Alltag. Wir starten um halb sechs mit den Kindern mit der Morning Devotion und einem anschließenden Frühstück. Die Kinder gehen dann in die Schule und wir frühstücken entweder noch mehr oder legen uns nochmal kurz hin. Vormittags gehen wir seit dieser Woche mit in die Schule, die im Moment aus einem Kindergarten und einer Schulklasse besteht, dort unterstützen wir die Lehrkräfte, übernehmen Lehrtätigkeiten, unterstützen die Kinder einzeln oder beobachten einfach das Geschehen. Mittags haben wir das große Glück bekocht zu werden, unsere wunderbare Köchin Auntie Sandra bringt uns die ghanaische Küche näher und ist auch immer für einen guten Rat zu haben. Nachmittags kommen die Kinder wieder aus der Schule und wir starten in die Hausaufgabenbetreuung. Hier haben wir beide ein Kind zugeteilt bekommen, mit dem wir die Hausaufgaben und anschließende weitere vertiefende Lernaufgaben machen. Das macht sehr viel Spaß. Anschließend wird der Rosenkranz gebetet, es ist schließlich Oktober. Nach einem Abendessen gehen die Kinder dann auch Richtung Bett und wir verabschieden uns auch. Es tut sehr gut, langsam eine festere Struktur zu haben und Aufgaben die wir übernehmen können.
Letztes Wochenende haben wir unseren ersten Wochenendausflug gemacht. Wir sind mit dem Trotro nach Akosombo gefahren, einem kleinen Ort direkt an der Volta. Nachdem wir erst einmal zu weit gefahren und dann wieder zurückgefahren sind, haben wir alles gefunden. Wir haben viel Zeit im Pool verbracht, endlich ein bisschen schwimmen, das tat sehr gut. Abends waren wir sehr schön (scharf) essen. Wir haben direkt am Wasser gewohnt und die Aussicht war einfach wunderschön. In Akosombo ist eine sehr schöne Brücke über die Volta, über dieses Wahrzeichen Ghanas sind wir natürlich auch flaniert. Wir haben eine wunderschöne Wanderung auf die umliegenden Berge gemacht mit tollem Aussichtspunkt auf die Brücke. Zum Abschluss unseres Kurzurlaubs haben wir noch eine Kanufahrt über die Volta gemacht. Der Urlaub war sehr schön, aber auch sehr aufregend und nicht nur entspannend. Wir haben auf jeden Fall viel gelernt, von vorheriger Hotelbuchung, über Kommunikation mit eher anstrengenden Männern, bis dahin, dass es niemals gut ist Leute zu verwechseln (das gibt Streit und ist sehr peinlich...). Am Ende hat es sich sogar ein bisschen nach wieder nach Hause kommen angefühlt und es war sehr schön die Kinder alle wieder zu sehen.